Ferdinand von Steinbeis (1807- 1893)

 

 

Bereits 1850 waren für Ferdinand von Steinbeis "Schönheit oder Reinheit der Form, Solidität der Ausführung und Wohlfeilheit", wichtige Auswahlkriterien und Beitrag zur Geschmacksbildung für sein Musterlager und späterem Landesgewerbemuseum.

Ferdinand von Steinbeis

Steinbeis gilt posthum als Vater der gewerblichen Ausbildung in Württemberg. Das Ausbildungsziel für qualifizierte Arbeitskräfte sah er in der Verbindung von theoretischem Wissen und praktischem Können.

  • Geboren am 05. Mai 1807 in Ölbronn als Sohn eines Pfarrers, beginnt er mit 14 Jahren eine Lehre im Hüttenwerk in Wasseralfingen. Drei Jahre später nimmt er an der Universität Tübingen das Studium der Naturwissenschaften auf.
  • Bereits im Alter von 20 Jahren wird Ferdinand Steinbeis im Rahmen einer Wettbewerbsarbeit über die Glasmacherei die Doktorwürde verliehen. Im gleichen Jahr übernimmt er eine Stelle als "Hüttenschreiber" in der Königlich Württembergischen Hütte Ludwigstal bei Tuttlingen.
  • 1831 wird er von Fürst Karl Egon von Fürstenberg zum Leiter des fürstlichen Hüttenwesens berufen.
  • 1842 übernimmt er die Stelle des Generaldirektors in den Eisenwerken der Familie Stumm in Neunkirchen. In dieser Zeit fördert Steinbeis auch die Ausbildung des ihm unterstellten Personals. Um der ständigen Gefahr der Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte entgegenzuwirken, beschäftigt er sich mit der Einführung einer sozialen Fürsorge des Werks. Dazu zählen eine Hilfskasse für bedürftige Mitarbeiter, eine Invalidenkasse für arbeitsunfähige Gesellen, ein Werksarzt, eine Werksküche und die finanzielle Unterstützung beim Erwerb von Eigenheimen.
  • 1848 wird die "Zentralstelle für Gewerbe und Handel" gegründet, die sich der Gewerbeförderung widmen soll und Steinbeis wird Technischer Rat der Zentralstelle. Ihm wird der Titel und Rang eines Regierungsrates verliehen. 
  • 1855 wird er Direktor und später Präsident.
  • 1868 wird die erste Steinbeis-Stiftung zur Förderung der gewerblichen Ausbildung von Jugendlichen durch Unterstützung der Wirtschaft ermöglicht. Im gleichen Jahr wird in Reutlingen die erste Frauenarbeitsschule gegründet.
  • 1878 wird Steinbeis von der gesamten Abgeordnetenkammer aufs schärfste verurteilt, weil er sich gegen die Einführung von Schutzzöllen wandte. Daraufhin zieht er sich nach und nach von sämtlichen öffentlichen Aufgaben zurück.
  • Im Juli 1880 wird sein Pensionierungsgesuch genehmigt.
  • Ferdinand von Steinbeis stirbt am 07. Februar 1893 in Leipzig und ist in einem Ehrengrab auf dem Alten Friedhof Ulm begraben.

     

Literatur:

Paul Siebertz, Ferdinand von Steinbeis, Ein Wegbereiter der Wirtschaft, Stuttgart 1952
Willi A. Boelcke, "Glück für das Land", Die Erfolgsgeschichte der Wirtschaftsförderung von Steinbeis bis heute, Stuttgart 1992
Helmut Christmann, Ferdinand Steinbeis, Gewerbeförderer und Volkserzieher, Heidenheim an der Brenz 1970